„Jede Fotografie stellt die Verbindung zweier gegensätzlicher, jedoch miteinander verbundener Elemente dar, die die Grundpfeiler meines Projekts bilden: Architektur und Tanz. Einerseits verkörpert Architektur die kulturelle Identität, die Geschichte und die Geografie eines jeden Ortes – einzigartig und verschieden von allen anderen.
Andererseits ist der Tanz eine universelle Sprache, die nationale und kulturelle Grenzen überwindet und von allen verstanden werden kann. Die Verbindung dieser beiden Elemente schafft ein synergetisches Kunstwerk, das darauf abzielt, die kulturelle Vielfalt der Welt durch die universelle Sprache des Tanzes zu vermitteln. Die Schönheit der Welt liegt in ihrer Vielfalt, und künstlerische Kommunikation ermöglicht es uns, diese zu verstehen und wertzuschätzen. Diese Botschaft möchten meine Fotografien transportieren.
Obwohl Bewegung als das Wesen des Tanzes gilt, faszinieren mich besonders die „statischen“ Winkel und Linien der Tänzerinnen und Tänzer, die ich fotografiere. Ich empfinde sie als sehr nah an architektonischen Details und Strukturen. Dabei achte ich besonders auf grafische und perspektivische Elemente – nicht nur im Hintergrund, sondern auch beim Hauptmotiv.
Mein Interesse gilt dem Tänzer bzw. der Tänzerin als „Person“: dem intensiven Training an der Stange, den Linien und Details während der Übungen sowie den Momenten der Entspannung. Mich interessiert der tägliche Trainingsalltag mehr als der Bühnenauftritt. Häufig positioniere ich meine Motive seitlich statt zentral im Bild und messe dem Hintergrund große Bedeutung bei, selbst wenn er abstrakt erscheint. Intuitiv platziere ich das Motiv zudem oft auf einer geneigten Horizontlinie, die dem Betrachter mehr Möglichkeiten eröffnet, die Szene zu erfassen.
Hinzu kommt der kompositorische Aspekt in Verbindung mit Architektur, der die Tänzerinnen und Tänzer in strukturelle und architektonische Kontexte einbindet (Treppen, Fenster, Fassaden, Strukturen, verlassene Orte usw.). Diese Elemente stehen zugleich für Kontrast und Harmonie und fungieren als landschaftliche Identifikationsmerkmale des jeweiligen Ortes. Ein wesentliches Werkzeug dieser kompositorischen Arbeit ist der häufige Einsatz von Weitwinkelobjektiven, die eine starke Verzeichnung von Motiv und Hintergrund erzeugen und Hände, Füße sowie architektonische Details hervorheben – bis hin zu geneigten Achsen und dem Verlust der visuellen Orientierung. Vertikale und horizontale Linien verschwimmen, die Horizonte werden nach rein intuitiven Kriterien gedreht.
Dies ist ein weiterer zentraler Aspekt meiner Fotografie: der reine Kompositionsinstinkt. Ein Bild kann je nach subjektiver Wahrnehmung des Betrachters horizontal oder vertikal gelesen werden und ist nicht durch technisches Tanzwissen bestimmt. Wichtig ist es, diesen Instinkt zu betonen, der mich bei der Interpretation der vom Körper der Tänzer erzeugten Linien leitet, ohne dass hierfür spezielle theoretische Kenntnisse über Tanz oder dessen Geschichte erforderlich sind."