Ein außergewöhnlicher Abend in einem aussergewöhnlichen Jahr

Tosender Beifall, Pfiffe und Bravo-Rufe hallen nach, als der letzte rot-goldene Samtvorhang im gewaltigen Saal der Staatsoper Unter den Linden fällt. Es ist 22:30 und die ungefähr 1.300 Gäste im ausverkauften Haus haben gerade eine fast dreistündige Show der Superlative erleben können, eine Show, wie es sie in dieser Art an diesem Ort noch nicht gegeben hat. Es ist (aber nur beinahe) das fulminante Ende einer langen Veranstaltungsreihe der Staatlichen Ballett- und Artistikschule in ihrem 70. und 75. Jubiläumsjahr.

Schlussapplaus auf der Bühne der Staatsoper Berlin, Foto: Sabine Streckhardt

Unter dem Motto „Tradition bewegt die Zukunft“ stehen am 12.10.2026 erstmals Schülerinnen und Schüler beider Fachbereiche der Staatlichen Ballett- und Artistenschule gemeinsam für eine Gala auf der riesigen Bühne im Herzen Berlins. In einem mit einer Vielzahl an außergewöhnlichen Veranstaltungen vollgepackten Jahr (wir berichteten – hier eventuell links), neben der ohnehin alljährlichen Absolventenshow der Artisten, dem Tag der offenen Tür, der Ballettgala und vielem mehr, ist dieser Abend zwar der Höhe-, aber noch nicht der Schlusspunkt der Feierlichkeiten, wie wir noch erfahren werden.

Sieben Stunden vor dem letzten Vorhang ist die Generalprobe für die große Gala im vollen Gange und für den Autor dieses Artikels die letzte Möglichkeit, in den wenigen kleinen Pausen zwischen den Aufführungen ein paar Informationen aus erster Hand der Beteiligten zu bekommen. Hinter der Bühne machen sich einige Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Ausbildungsjahre und beider Fachbereiche warm.

Während einige Mädchen aus der Artistik ihre Cyr-Nummer zusammen mit vorbereiten, berichtet Bo Kaufmann, was für ihn heute in der Show so ansteht.

Mit unserer Klasse zeigen wir mehrere artistische Beiträge. Unter anderem treten wir mit einer Luftsprungmatte, dem Air-Track auf. Teresa hier neben mir zeigt zum Beispiel gemeinsam mit zwei weiteren Artistinnen eine Nummer mit dem Cyr. Außerdem wirken wir alle bei einer Nummer mit dem chinesischen Mast mit. Dabei halten wir den Mast, während Bella aus unserer Klasse ihre Choreo macht.

— Bo Kaufmann
8. Ausbildungsjahr Artistik

Es sind aber auch Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs im neunten Ausbildungsjahr, also der 13. Klasse dabei, und viele jünger bis hinunter zum zweiten Ausbildungsjahr. Die „ganz Kleinen“ sind merklich aufgeregt und zappeln hinter der Bühne in Erwartung ihres Auftritts vor den noch leeren Zuschauerrängen herum. Und ganz so cool bleiben selbst die Jugendlichen der 12. Klasse vor dieser Kulisse nicht.

Wir haben hier bereits bei der Produktion „Das schlaue Füchslein“ mitgewirkt. Damals handelte es sich allerdings nicht um eine Schulgala. Die Staatsoper hatte sich zuvor Schülerinnen und Schüler in der Schule angesehen und einige von uns für die Produktion ausgewählt. Diese Erfahrung ist zwar schon mehr als ein halbes Jahr her, aber sie hilft uns heute dabei, uns hier etwas sicherer zu fühlen. Aber es ist schon besser, wenn wir alle gemeinsam auf der Bühne stehen. Dann fühlt man sich nicht so stark im Mittelpunkt, sondern nimmt eher das gesamte Bild wahr. Man sieht die anderen und kann sich an denen orientieren und sich unterstützen.

— Bo Kaufmann
8. Ausbildungsjahr Artistik

Matheus Barboza de Jesus – Backstage, Foto: Sabine Streckhardt

Allein oder maximal zu weit auf der Bühne stehen einige ganz besondere Solisten – zum großen Teil sind das weltweit erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen.

Da sind zum Beispiel Anna Yeh & Philipp Mergener vom Nationalballett Brünn. Mit ihrem „Romeo und Julia“-Balkon-Pas de deux zeigen sie Weltklasse-Ballett. Matheus Barboza de Jesus vom Aalto Ballett Essen hat einen kurzen, aber herausragenden Auftritt: Eine rasante Tanz-Variation aus "Giselle" Pas de quatre über die gesamte Bühne, die alle Zuschauenden an der Existenz von Gravitation zweifeln lässt. Als weiteres Glanzlicht tanzen zudem Elisabeth Tonev und Jakob Feyferlik, Erste Solisten des Bayerischen Staatsballetts München, das Duett aus „Trois Gnossiennes“nach einer Choreographie von Hans van Manen.

Ein weiteres ganz besonderes Solistenpaar, das noch mitten in der Ausbildung steckt, sind Samuel Dadzie aus dem achten Ausbildungsjahr an den Strapaten und Hana Ise, achtes Ausbildungsjahr, aus dem Fachbereich Ballett. Beide zeigen eine wahrlich zauberhafte Verbindung beider Fachbereiche in einer wunderbaren Kombinationsnummer aus Tanz und Artistik.

Während dieser Proben nicht von der Bühnenseite und den Technikern wegzubekommen ist Kathrin Baum-Höfer, die Leiterin der Planung und Probenkoordination im Fachbereich Ballett. Die Zeit bis zum Beginn der Gala rückt viel zu schnell näher, doch Kathrin Baum-Höfer scheint die Ruhe selbst zu sein.

Wenn ich an das Jubiläumsjahr und die große Abschlussgala heute denke, fällt mir zuerst ein, wie stolz ich auf unsere Schülerinnen und Schüler bin. Es ist beeindruckend, was sie in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben.

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Die Sommerferien liegen noch gar nicht lange zurück, und trotzdem konnten wir bereits ein umfangreiches Programm erarbeiten, das wir nun auf der Bühne der Staatsoper präsentieren. Das ist eine große Herausforderung und für unsere Schule wirklich eine besondere Leistung. Die gemeinsame Präsentation von Ballett und Artistik ist in dieser Form etwas Neues. Es gab zwar schon einmal eine Gala, bei der beide Bereiche beteiligt waren, vor einiger Zeit im „Haus der Kulturen der Welt“. Dort waren die beiden Abteilungen jedoch noch stärker voneinander getrennt. Heute aber wechseln sich die Beiträge ab, sodass beide künstlerischen Bereiche unmittelbar miteinander verbunden werden. Gerade dieser Perspektivenwechsel ist jedoch eine wertvolle Erfahrung. Wir können voneinander lernen und auch in unserer Arbeitsweise profitieren.

— Kathrin Baum-Höfer
Leiterin der Planung und Probenkoordination – Bühnentanz

Dafür wirken dreiundvierzig beteiligte Schülerinnen und Schüler aus dem Fachbereich Artistik künstlerisch im Laufe des Abends auf der großen Bühne. Der Fachbereich Ballett ist da deutlich Personalintensiver.

Heute stehen insgesamt 73 Schülerinnen und Schüler aus dem Fachbereich Ballett auf der Bühne. In dem größten Stück, der Eröffnung mit „Opus 43“, sind ungefähr 60 Schülerinnen und Schüler beteiligt. Im Wesentlichen ist die gesamte Oberstufe vertreten. Auch das sechste Ausbildungsjahr ist vollständig dabei. Aus dem ersten und vierten Ausbildungsjahr nehmen jeweils nur einzelne Schülerinnen und Schüler teil.

— Kathrin Baum-Höfer
Leiterin der Planung und Probenkoordination – Bühnentanz

Die Zusammenarbeit mit den Berliner Opernhäusern hat in der Staatlichen eine lange Tradition. Da das Staatsballett an allen drei Häusern – der Staatsoper, der Komischen Oper und der Deutschen Oper – auftritt, wechseln auch die Bühnentanz-Galas der Schülerinnen und Schüler regelmäßig zwischen diesen Spielstätten, aber passend zum Jubiläumsjahr ist man wieder in der Staatsoper zu Gast. Da fragt man sich, wie die jungen Menschen mit diesen Herausforderungen gerade im Jubiläumsjahr umgehen und ob nicht andere Lerninhalte „hinten runterfallen“. Kathrin Bum-Höfer sieht das positiv.

Das Jubiläumsjahr hat für unsere Schülerinnen und Schüler nicht unbedingt eine zusätzliche Belastung bedeutet. Im Gegenteil: Durch das größere Angebot konnten sie von noch mehr Auftrittsmöglichkeiten, Workshops und besonderen Veranstaltungen profitieren.

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Ich glaube auch, dass die Schülerinnen und Schüler die vielen Veranstaltungen wahrhaft genießen. Schließlich möchten sie auf die Bühne und später in einem künstlerischen Beruf arbeiten. Jede zusätzliche Auftrittsmöglichkeit gibt ihnen Motivation und vermittelt ihnen einen unmittelbaren Eindruck von dem Beruf, auf den sie sich vorbereiten. Ganz wichtig in meinen Augen: auch die Fächer, die zum normalen Schulalltag gehören, lassen sich mit dieser Motivation leichter bewältigen. Mathematik und andere Pflichtfächer gehören für uns selbstverständlich zur Ausbildung dazu.

— Kathrin Baum-Höfer
Leiterin der Planung und Probenkoordination – Bühnentanz
Matheus Barboza de Jesus

Mit unserer Klasse zeigen wir mehrere artistische Beiträge. Unter anderem treten wir mit einer Luftsprungmatte, dem Air-Track auf. Teresa hier neben mir zeigt zum Beispiel gemeinsam mit zwei weiteren Artistinnen eine Nummer mit dem Cyr. Außerdem wirken wir alle bei einer Nummer mit dem chinesischen Mast mit. Dabei halten wir den Mast, während Bella aus unserer Klasse ihre Choreo macht.

Anna Yeh

Die in Los Angeles geborene Tänzerin Anna Yeh beginnt ihre Ausbildung an der dortigen Marat Daukayev School. Später zeigt die Absolventin der Staatlichen Ballettschule Berlin (2019) ihr Können auch im Landesjugendballett Berlin sowie im Junior Ballet Antwerp. Die international preisgekrönte Tänzerin (u. a. IBstage Grand Prix) brilliert heute als Erste Solistin am Nationalballett Brünn. Ihr facettenreiches Repertoire reicht von Klassikern wie Schwanensee und Don Quixote (Kitri) bis zu Werken von Kylián und Inger - mit eleganter Technik verzaubert sie in Hauptrollen wie Roxanne das europäische Publikum.

Das Publikum erwartet ein facettenreiches Programm mit hochkarätigen Auftritten weltweit erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen. So stehen Anna Yeh & Philipp Mergener vom Nationalballett Brünn, die Ausnahmekünstlerin Stela Stankevičiūtė am Cyr Wheel und Matheus Barboza de Jesus vom Aalto Ballett Essen auf der Bühne. Als ganz besonderes Glanzlicht tanzen zudem Elisabeth Tonev und Jakob Feyferlik, Erste Solist:innen des Bayerischen Staatsballetts München.

Elisabeth Tonev

Elisabeth Tonev absolviert ihre Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin. Von der Junior Company des Dutch National Ballet tanzt sich die Berlinerin in Rekordzeit bis zur Solistin hoch. Ausgezeichnet mit dem renommierten Konstanze-Vernon-Preis wechselt sie als Erste Solistin zum Bayerischen Staatsballett München. Ihr breit gefächertes Repertoire umfasst tragende Hauptrollen in großen Klassikern wie „Schwanensee“, „Giselle“ oder „Onegin“. Zudem brilliert sie in wegweisenden Werken von Choreografen wie John Neumeier, George Balanchine und William Forsythe.

Jakob Feyferlik

Jakob Feyferlik absolviert seine Tanzausbildung am Konservatorium Wien sowie an der Ballettschule der Wiener Staatsoper. Seine Karriere führt den gebürtigen Wiener über das Wiener Staatsballett, wo er direkt vom Corps de ballet zum Solisten und schließlich zum Ersten Solisten aufsteigt, zum Niederländischen Nationalballett. Seit der Spielzeit 2023/2024 brilliert er als Erster Solist beim Bayerischen Staatsballett München. Der mehrfach international ausgezeichnete Ausnahmetänzer – unter anderem Gewinner des Karl-Musil-Gedächtnispreises – fasziniert das Publikum mit technischer Präzision. Sein Repertoire reicht von „Schwanensee“ bis zu Werken von Hans van Manen.

Für einen spektakulären internationalen Höhepunkt sorgt die faszinierende große Vierer-Kontorsion aus der Produktion „Alizé“ des legendären Cirque du Soleil.

Moderation

Durch diesen unvergesslichen Abend voller Insiderwissen leitet das wunderbare Moderatorenpaar Karoline Chmelensky und Bürger Lars Dietrich, die ebenfalls als Ehemalige fest mit der Schule verbunden sind. Die Leidenschaft, Präzision und Poesie aller Künstlerinnen und Künstler versprechen einen inspirierenden und magischen Abend voller glanzvoller Momente!

Karoline Chmelensky

Karoline Chmelensky absolviert ihre Ausbildung im Bühnentanz an der Staatlichen Ballettschule Berlin sowie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Anschließend erweitert die vielseitige Mezzosopranistin ihr Profil durch ein Studium des Musikalischen Unterhaltungstheaters an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, das sie erfolgreich abschließt. Sie tanzt an renommierten Häusern wie der Staatsoper Unter den Linden sowie der Deutschen Oper Berlin und übernimmt Engagements wie die Titelrolle in „Alice im Wunderland“ am Landestheater Neustrelitz. Aktuell steht sie in Musical-Produktionen wie „Ghost“ auf der Felsenbühne Staatz oder im Wiener Raimund Theater auf der Bühne.

Bürger Lars Dietrich

Bürger Lars Dietrich gehört seit Jahrzehnten zu den vielseitigsten Entertainern Deutschlands. Nach seiner Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin gelingt ihm Mitte der 1990er-Jahre mit Hits wie „Sexy Eis“ der musikalische Durchbruch. Seither ist er als Sänger, Moderator, Comedian, Schauspieler, Sprecher und Autor erfolgreich. Einem breiten Publikum wird er unter anderem durch die KiKA-Erfolgssendung „Dein Song“ bekannt, die er 16 Jahre lang moderiert. Seit 2017 ist er zudem mit seiner Rubrik „Bürgertrend“ in der MDR-Sendung „Damals war’s“ zu sehen. Für die Moderation der Musiksendung „Leider laut“ erhält er 2020 gemeinsam mit Marti Fischer den Grimme-Preis.

Auch als Schauspieler und Synchronsprecher ist Bürger Lars Dietrich regelmäßig präsent. Seine Stimme ist aus zahlreichen Hörbüchern und Animationsfilmen bekannt, zudem wirkt er in Kinoproduktionen wie Alfons Zitterbacke und Mission Ulja Funk mit. 2022 begeistert er als Werwolf in der ProSieben-Show The Masked Singer. Neben seinen TV- und Musikprojekten steht er seit vielen Jahren erfolgreich auf der Theaterbühne. Mit seinem ersten eigenen Bühnenstück Dietrichs Demokratische Republik legt er 2009 den Grundstein für sein Engagement als Theaterschauspieler. Seitdem ist er regelmäßig auf renommierten Bühnen wie dem Winterhuder Fährhaus oder dem Schlosspark Theater Berlin zu erleben. Seit 2023 moderiert er gemeinsam mit Maxi Häcke den Podcast Rekorder – Das Hörspielmagazin.

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Montag, 12. Oktober 2026
Staatsoper Unter den Linden
Unter den Linden 7, 10117 Berlin

Tickets

Team der Veranstaltung

  • Planung/Organisation: Ulrich Giessel, Kathrin Baum-Höfer, Ronald Wendorf, Marek Rózycki, Dr. René Wiese, Christine Wunderlich, Uwe Podwojski unter Mitarbeit von Manuela von Angern, Celine Kutzner, Eileen Meyer, Christoph Böhm
  • Grafik/Layout: Laura Soria
  • Textproduktion: Claudio Gottschalk-Schmitt
  • Technische Umsetzung: Andreas Köppen, Tobias Busch, Dirk Thiele
  • Weitere Unterstützung: Sabine Streckhardt, Lutz Neumann

Danksagung

Ein herzliches Dankeschön an die Staatsoper Unter den Linden für eine erneute, glanzvolle Zusammenarbeit. Dass wir diese wertvolle Tradition bereits seit vielen Jahren gemeinsam pflegen dürfen, erfüllt uns mit großem Stolz und Dankbarkeit.

Wir danken allen Gästen und Ehemaligen von ganzem Herzen, die unsere Jubiläums-Gala mit ihren beeindruckenden künstlerischen Beiträgen bereichert und verzaubert haben: Bürger Lars Dietrich, Karoline Chmelensky, Elisabeth Tonev, Jakob Feyferlik, Anna Yeh, Philipp Mergener, Matheus Barboza De Jesus, Stela Stankevičiūtė und der Vierer-Contorsion des Cirque du Soleil aus “Alizé”.

Wir danken allen Ballett- und Artistikpädagog:innen, den Korrepetitor:innen für die Vorbereitung der Schüler:innen auf die Jubiläumsgala. Wir danken ebenso den Klassenlehrer:innen, Fachlehrer:innen der Allgemeinbildung, den Internatserzieher:innen, dem Kostüm-Atelier, der Technik und den Mitarbeiter:innen der Verwaltung für die Unterstützung.

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