In Bewegung bleiben
07. Jul 2026Wie prägte das Leben im geteilten Deutschland und unter den Bedingungen der SED-Diktatur die Biografien junger Künstler:innen? Im Rahmen des 2. Tages der politischen Bildung lädt der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften-Künste zu einer besonderen Filmvorführung mit anschließendem Zeitzeugengespräch ein. Wir präsentieren den Dokumentarfilm „In Bewegung bleiben“ (Berlinale 2021) des Regisseurs Salar Ghazi.
Mario Perricone beim Fotoshooting
Der Film führt uns zurück in das Jahr 1988: Im Januar feiert Birgit Scherzers „Keith“ einen überragenden Erfolg an der Komischen Oper in Ost-Berlin. Für die junge Choreografin ist das Tanzstück der Durchbruch. Sieben Tänzer:innen treten in „Keith“ auf. Ein knappes Jahr später werden fünf von ihnen die DDR verlassen haben; einige flüchten während der Gastspiele beim „Klassenfeind“. „In Bewegung bleiben“ dokumentiert ihre Träume, die Konfrontation mit dem System und ihre individuelle Suche nach Freiheit.
Birgit Scherzer im Interview
Im Anschluss an die Vorführung findet eine Podiumsdiskussion statt. Wir freuen uns sehr auf unsere Gäste:
- Salar Ghazi (Regisseur)
- Sven Grützmacher (Protagonist des Films und ehemaliger Schüler der Staatlichen Ballettschule Berlin
Gemeinsam wollen wir über die filmische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und das Spannungsfeld zwischen Kunst und politischer Ideologie sprechen.
Steffi Scherzer beim Unterricht
Film & Gespräch: „In Bewegung bleiben“ – 2. Tag der politischen Bildung (Kopie)
Die Tänze:innen sind in staatlichen Ballettschulen in Dresden, Leipzig oder Ost-Berlin vom Staat zu Leistungsträgern ausgebildet worden. Als künstlerische Elite, deren Licht weit strahlt und die ein Aushängeschild für die DDR ist, dürfen sie in den Westen reisen. Ihre Familien in der DDR sind das Faustpfand. Die kreative Atmosphäre an der Komischen Oper bildet zunächst einen Schutzschirm vor ideologischer Bevormundung, doch Ende der 1980er Jahre wird der Druck größer. In den Monaten vor dem Mauerfall – einem Ereignis, das niemand vorausgesehen hat – stehen viele Ensemblemitglieder vor der Lebensentscheidung, zu bleiben oder zu gehen.
Der Autor des Films war damals mit einigen Tänzer:innen befreundet. Er sucht die Beteiligten auf, um die Ereignisse Revue passieren zu lassen und zu reflektieren. Erinnerungen und privates VHS-Material erzeugen ein komplexes Bild, welches das Lebensgefühl der Wendejahre lebendig werden lässt.
Filmplakat "In Bewegung Bleiben - Keep Moving", 71. Internationale Filmfestspiele Berlin
Team der Veranstaltung
- Referenten: Salar Ghazi, Sven Grützmacher
- Organisation/Koordination: René Wiese
- Technische Umsetzung: Andreas Köppen, Tobias Busch
- Weitere Unterstützende: Liliane Vanden Broucke, Kathrin Baum-Höfer, Dirk Thiele, Oliver Hanff, Ronald Wendorf
Danksagung
Wir danken dem Filmemacher Salar Ghazi sowie unserem ehemaligen Schüler Sven Grützmacher für die Bereitschaft, im Rahmen der Podiumsveranstaltung gemeinsam mit uns auf das Werk „In Bewegung bleiben“ zu blicken und unseren Schülerinnen und Schülern so ein wichtiges Stück deutscher Teilungsgeschichte anhand persönlicher Biografien unmittelbar erlebbar zu machen.
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