Meine Sicht auf meine Zeit

Ein Nachmittag voller Inspiration: Ines Dalchau begeistert Balletteleven und Gäste an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule.

Ines Dalchau mit den Ballettschüler:innen der Schule, Foto: Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin

Ein ganz besonderer Nachmittag bot sich den Schülerinnen und Schülern sowie den zahlreichen Gästen der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin am 14.10.2026: Die ehemalige Schülerin und spätere Ausnahmesolistin Ines Dalchau kehrte an ihre einstige Ausbildungsstätte zurück und wartete mit einem außergewöhnlichen, zutiefst persönlichen Programm auf. Unter dem Titel „Meine Sicht auf meine Zeit“ gestaltete die Künstlerin, die 1963 zum ersten siebenjährigen Ausbildungsjahrgang der Schule gehörte, eine bewegende Rückschau auf ihr Leben im Zeichen des Tanzes.

Ines Dalchau und Jürgen Nitschmann, Foto: Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin

Begleitet wurde sie dabei von Jürgen Nitschmann, dem ehemaligen Chefdramaturgen des Staatlichen Tanzensembles der DDR. Nitschmann trat an diesem Nachmittag als absolut kongenialer Partner auf, der mit seiner sonoren Stimme, die mühelos das Format für die Synchronisation großer Kinohelden besessen hätte, warmherzig und liebevoll durch die Biografie seiner Begleiterin führte.

Schüler:innen und Gäste während der Veranstaltung im Theatersaal, Foto: Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin

Für die heutigen Balletteleven war die Veranstaltung weit mehr als nur der Blick auf die Karriere eines einstigen Stars. Durch die von Ines Dalchau mitgebrachten, reichen Foto- und Filmdokumente wurde die Atmosphäre vergangener Tage unmittelbar greifbar. Die Schülerinnen und Schüler konnten hautnah nachverfolgen, wie die Protagonistin des Nachmittags von einem kindlichen Talent zu einer außergewöhnlichen Solistin heranreifte. Besonders eindrücklich war das Miterleben der körperlichen Transformation: Die Aufnahmen machten sichtbar, wie sich der Körper des 1952 geborenen Mädchens, das seine tänzerische Laufbahn bereits im Alter von zehn Jahren begann, durch das harte, tägliche Training sowie die unermüdlichen Herausforderungen von Proben und Auftritten veränderte. Dalchau schaffte es, diese Ära des Wandels – von ihrer Berliner Schulzeit über eine Einladung als Gastschülerin im fünften Ausbildungsjahr am renommierten Bolschoi-Theater in Moskau bis hin zu ihrem Abschluss im Jahr 1970 und ihren anschließenden Solistenrollen – als echtes Zeitzeugnis aufleben zu lassen.

Jürgen Nitschmann und Ines Dalchau moderieren und kommentieren die Lebensgeschichte der Ballerina, Foto: Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin

Neben den künstlerischen Meilensteinen, zu denen ein Engagement an der Komischen Oper sowie der Wechsel an die Deutsche Staatsoper Unter den Linden im Jahr 1974 gehörten, blickte sie auf eine beeindruckende, 30-jährige Bühnenkarriere zurück, in der sie in fast 60 Opern- und Ballettinszenierungen mitwirkte. Gleichzeitig gewährte die Veranstaltung auch tief private Einblicke. So berührte die Schilderung, wie es Ines Dalchau gelang, die intensiven Anforderungen dieser jahrzehntelangen Karriere mit dem Familienleben als junge Mutter zu vereinbaren. Auch ihr radikaler beruflicher Wendepunkt nach drei Jahrzehnten auf der Bühne und dem politischen Umbruch, der sie zur klinischen Ergotherapeutin werden ließ, zeigte den anwesenden Jugendlichen, wie ein Leben im Zeichen der Bewegung eine wertvolle Fortsetzung finden kann. Das private und künstlerische Bildmaterial aus fast jeder Lebensphase wirkte als faszinierendes Zeitdokument. Der langanhaltende Beifall für diesen überaus kurzweiligen und inspirierenden Nachmittag hallte noch lange im Saal nach. Ein ganz herzlicher Dank gilt Ines Dalchau und Jürgen Nitschmann für diese unvergesslichen Einblicke und den wertvollen Erfahrungsschatz, den sie an die nächste Generation weitergegeben haben.

Ines Dalchau

Ines Dalchau wurde 1952 in Berlin geboren und begann ihre tänzerische Laufbahn bereits im Alter von zehn Jahren, als sie 1963 Teil des ersten siebenjährigen Ausbildungsjahrgangs an der Staatlichen Ballettschule Berlin wurde. Eine besondere Ehre wurde ihr im fünften Ausbildungsjahr zuteil: Als Jahrgangsbeste erhielt sie eine Einladung an das renommierte Bolschoi-Theater in Moskau, wo sie die Gelegenheit hatte, weltberühmten russischen Ballett-Solistinnen zu begegnen.

Nach ihrem Abschluss im Jahr 1970 folgte das Engagement durch Tom Schilling an das Tanztheater-Ensemble der Komischen Oper. Dort hatte sie bereits während eines Praktikums debütiert und startete nun ihre professionelle Karriere als Solistin. 1974 wechselte sie an die Deutsche Staatsoper Unter den Linden, wo sie ihren Weg als Solotänzerin erfolgreich fortsetzte. Im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere wirkte sie in fast 60 Opern- und Ballettinszenierungen mit und war auf zahlreichen nationalen sowie internationalen Bühnen präsent.

Der politische Umbruch und die deutsche Wiedervereinigung markierten schließlich einen Wendepunkt in ihrem Leben. Nach drei Jahrzehnten auf der Bühne entschied sich Ines Dalchau für einen beruflichen Neuanfang und qualifizierte sich zur klinischen Ergotherapeutin. Seit vielen Jahren arbeitet sie in einer Rehabilitationsklinik in Brandenburg, wo sie ihr tiefes Verständnis für Körper und Bewegung nun in einem therapeutischen Kontext an ihre Patienten weitergibt.

Besetzung

  • Referentin: Ines Dalchau
  • Moderation: Jürgen Nitschmann
  • Organisation/Koordination: Marek Rózycki in Zusammenarbeit mit René Wiese und Liliane Vanden Broucke
  • Technische Umsetzung: Andreas Köppen, Tobias Busch
  • Weitere Unterstützende: Kathrin Baum-Höfer, Dirk Thiele, Oliver Hanff

Danksagung

Wir danken Ines Dalchau, für die Einblicke in Ihre beeindruckende Lebensreise. Von der Bühne in ein neues Leben – Ihr Vortrag ist eine große Bereicherung und Inspiration für uns alle.

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