„Das ist der erste Test im dreizehnten und damit letzten Schuljahr an der Schule. Hier sehen die Jugendlichen, ob das jahrelange Training, die neuen Tricks und ausgefeilten Acts vor einem großen Publikum funktionieren. Es ist der Auftakt für die Prüfungs- und Galazeit des Sommers.
Tag der Offenen Tür - 2026
25. Apr 2026Auch im Jubiläumsjahr fand wieder der „Tag der offenen Tür“ der Staatlichen Ballett- und Artistenschule Berlin statt. Wie jedes Jahr war dieser Tag auch diesmal eine Leistungsschau, Elterntag und wichtigste Werbeveranstaltung für die Schule in ihrer öffentlichen Wirkung.
LESEDAUER: 2 MINUTEN | 29.05.2026
Zuschauende vor dem Zirkuszelt der Staatlichen Ballett- und Artistenschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Es ist schwer zu sagen, wie viele Besucher am Samstag, den 25.04.2026 ab 11 Uhr auf dem Gelände der Schule erschienen, aber lange Reihen vor dem weißen Zirkuszelt und den Trainingshallen der Artistik, plattgedrückte Nasen an den Scheiben der Ballettsäle und dichtes Gedränge auf den Sitzreihen sprechen für sich. Man kann getrost von mehr als tausend Menschen ausgehen, die sich ein Bild von der Arbeit der Schülerinnen und Schüler, wie auch der Lehrkräfte und dem Verwaltungspersonal der Schule machen wollten. Darunter natürlich vor allem die Eltern und Geschwister der Schüler:innen aus beiden Fachbereichen, aber auch interessierte Gäste ohne Bindung zur Schule, Anwohner aus der näheren Umgebung und Fachleute der Branche mit offenen Augen für die großartigen Talente.
Artistinnen im Zirkuszelt der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Auch dieses Jahr zeigten die anstehenden Absolvent:innen der Abschlussklasse ihr Können im großen Zirkuszelt, das seit fünf Jahren die perfekte Aufführungsstätte für den Fachbereich Artistik bildet. Annett Brüssow, seit zwanzig Jahren Trainerin an der SBUAS und eine der beiden Betreuerinnen der dreizehnten Klasse, sieht im Tag der offenen Tür zuallererst einen feststehenden, überaus wichtigen Termin für die Schüler:innen.
Annett Brüssow, Fachlehrerin für Artistik an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Dazu zählen dann die Absolventenshow hier im Zelt, später die Gala und die anschließende Tour. Der Tag der offenen Tür ist aber auch eine wunderbare Art für unsere Schule, sich vorzustellen - nämlich mit dem, was sie leistet. Naja, und heute kommen durchaus auch schon mal Recruiter zur Talentgewinnung vorbei. Das Zelt, das uns der Gerhard Richter vom „Circus Mondeo“ seit fünf Jahren zur Verfügung stellt, ist dafür die perfekte Kulisse und führt die Auftritte weg vom eher sportlichen Charakter, der in den Übungshallen doch vordergründig ist. Denn genau so, in diesem Flair auf der großen Bühne oder eben dem Zelt arbeiten unsere Absolvent:innen ja später. Toll!“
Die Trainingshallen waren schon vor 11 Uhr brechend voll und manchem Besucher wird es schwer gefallen sein, sich in dem vollgestopften Programm zwischen den oft parallel laufenden Vorführungen zu entscheiden, denn während der Abschlußjahrgang im Zelt auftrat, hatte auch auch die fünfte Klasse und damit die Jüngsten an der Ballet- und Artistenschule ihren ersten großen Auftritt.
Schülerinnen und Schüler des 1. Ausbildungsjahres im Fach Artistik, Foto: Sabine Streckhardt
Zwanzig Minuten Leistungsschau in Artistik und Dance zeigten den begeisterten Eltern und anderen Gästen, was die Kinder alleine schon im ersten Jahr an Fähigkeiten entwickeln und wie selbstbewußt und farbenfroh sie mit ihrer Choreographie vor einem großen Publikum auftreten.
Steffen Holfert Hauptfachlehrer fünften Klasse im Fachbereich Artistik:
„Wir sind eine sehr besondere Schule, keine reine Sportschule, wie manche denken - wir sind eine künstlerisch-kreative Schule. Wir haben den Anspruch, und das spüren und sehen alle Gäste am Tag der offen Tür, [nbsp]das hier Sportliches und Kreatives parallel entwickelt wird. Auftritte, wie heute sind extrem wichtig gerade im ersten Jahr. Das ist ein Teil des Lernprozess, dass die Kids ihre artistischen und tänzerischen Grundlagen auch gern präsentieren.
Der heutige Tag hat da eine immense Bedeutung. Ich stehe ja für bunt und queer und deshalb auch einfach mal die bunten Kostüme, wie es sonst nur die Absolventen in ihren Shows machen, statt der sportlichen Bekleidung. Im Jubiläumsjahr kommen noch mehr Veranstaltungen auch für die jüngeren Schüler:innen hinzu. Alle Klassen sollen so mit eingebunden werden. Ich jedenfalls bin megastolz auf die 5.Klasse. 20 Minuten Vorstellung erfordert extrem hartes Training, aber nun werden sie auch mehr von den [nbsp]Großen wahrgenommen, die sonst ja gern etwas auf die Jüngeren [nbsp]herabblicken, obwohl sie selbst noch gar nicht lange, soweit davon weg sind. Sowas wie heute stärkt intern auch den Gesamtverbund in der Schule über die einzelnen Klassen hinaus und macht am Ende dieses Schulensemble zu einem großen Team.“
Steffen Holfert, Fachlehrer für Artistik an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Zwischen den Jüngsten und den anstehenden Absolvent:innen gibt es natürlich noch sieben weitere Klassenstufen. Alle präsentierten bis 15 Uhr entweder im Zelt oder in den Trainingshallen, in herausragenden Choreographien und unzähligen Einzelleistungen, dem durchgehend begeisterten Publikum ihr Können. Eine Besucherin, gerade frisch versorgt mit einer Bratwurst durch die Mitarbeiterinnen der Mensa, ist Ausstatterin beim Film und schon zum zweiten Mal beim Tag der offenen Tür dabei:
„Eigentlich müsste der Tag viel länger sein, am besten ein ganzes Wochenende lang. Es ist schade, dass ich bisher immer etwas nicht sehen konnte, weil es sich überschnitt. Aber ich konnte trotzdem extrem gut wahrnehmen, wie sich die Kinder aus der Artistik von Klassenstufe zu Klassenstufe weiterentwickeln. Ganz ehrlich, das ist die eine der besten Shows in ganz Berlin - und dazu noch kostenlos (lacht)! Jetzt muss ich aber rüber zu den Ballettsälen, das ist auch immer wieder beeindruckend.“
Ebenfalls gerade zwischen Hauptgebäude, dem Zelt und den Trainingshallen unterwegs, um die einzelnen Vorführungen anzumoderieren, ist Uwe Podwojski, der Koordinator der Proben und Auftritte im Fachbereich Artistik. Er betreut auch die Leitung der Talentegewinnung und deshalb ist es auch für ihn eine besondere Veranstaltung.
„So ein offener Tag ist für uns superwichtig, jedes Jahr wird damit weitertragen, dass es die Schule gibt. Danach gibt es meistens das Doppelte an Bewerbungen als in normalen Monaten. Die Gästezahl ist zwar wie gewohnt hoch, aber diesmal ist es deutlich voller und wir weisen deshalb auch gleich auf viele weitere Veranstaltungen hin, die auch in den großen Häusern Berlins stattfinden. Die sind oft auch fachbereichsübergreifend in Ballett und Artistik. Ich muss weiter. Der Zeitplan ist wirklich eng. Tschüss bis gleich!“
Uwe Podwojski, Fachlehrer und Probenkoordinator an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Im Hauptgebäude herrscht auch schon seit dem Vormittag enge Betriebsamkeit. In jedem der neun Übungsräume ist jeder Platz belegt, die Besucher:innen sitzen auf dem Boden oder drängen sich stehend an den Zugängen. Auch hier präsentiert jede Klassenstufe ihren Leistungsstand. Nicht selten bekommen die Schüler:innen mit dem Beifall auch Blumen von Verwandten und Freunden überreicht. Im Großen Saal zeigt sich die Abschlussklasse vor begeistertem Publikum mit Auszügen aus der Dornröschen-Produktion, die zentral für die Abschlussgala des Jahrgangs ist.
Voller Ballettsaal beim Tag der offenen Tür an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Marek Rózycki, Stellvertretender künstlerischer Leiter Fachbereich Bühnentanz, wird von allen Seiten von Gästen belagert, es ist schwer, ihn für ein Foto und ein kurzes Statement beiseite zu ziehen.
„Ganz klar, der Tag der offenen Tür ist ein wichtiger Höhepunkt im Jahr, da wir allen den Leistungsstand der Kinder und Jugendlichen zeigen. Das ist der Moment für den Kontakt [nbsp]zwischen Pädagogen, Schüler:innen und Eltern - aber auch einfach zu den Gästen, die sich die Schule anschauen und neugierig sind, was wir so machen.
Marek Rózycki, Stellvertretender künstlerischer Leiter Fachbereich Bühnentanz an der Staatlichen Ballett- und Artistikschule Berlin, Foto: Sabine Streckhardt
Es ist auch ein Feiertag, einfach mal uns zu feiern und das, was wir lieben, zu tun. Viele Gäste kommen und wollen ihre Kinder bei uns vorstellen. Dafür findet immer ein spontaner Eignungstest an diesem Tag statt. Der startet übrigens gleich. Man kann sich da auf prüfen lassen und sich danach bewerben. Heute zeigen wir zum ersten Mal auch sehr viel aus der Planung für Dornröschen, die bald Premiere in der Komischen Oper hat. Es scheint auch irgendwie, dass wir mit unserer Schule aus dem Schlaf erwachen und immer bekannter und sichtbarer für alle werden (lacht)!“
Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
VON LUTZ NEUMANN